Seit wir uns vor fast vier Wochen
entschieden haben, eine Alpenüberquerung zu machen, ist die Zeit wie im Fluge vergangen. Ein Diavortrag Anfang August hatte uns beide völlig
mitgerissen. Ich wusste gleich, dass hier das Abenteuer liegt, auf das ich
unbewusst die letzten
Jahre gewartet hatte.
Den bereits im Frühjahr gebuchten Flug
nach Palma Ende August haben wir bereits am nächsten Tag storniert. Es war
jedoch trotz vieler Erklärungen und Diskussionen mit dem Inhaber des
Reisebüros nicht zu vermeiden, eine nicht ganz unerhebliche Stornogebühr
abtreten zu müssen. Unseren jährlichen Badeurlaub hatten wir zumindest in Gedanken bis zur Rente vom Urlaubsplan gestrichen. Am gleichen Tag haben wir uns bei einem kleinen Fahrradgeschäft in unserem Viertel Räder angesehen.
Aus dem geplanten Sofortkauf eines
Mountainbikes wurde es jedoch zu meiner Überraschung nichts, da ich nicht mit
diesen Preisen gerechnet hatte. Mein letztes Rad (3-Gang mit Rücktrittbremse)
hatte gerade mal 280,- DM gekostet. Zugegebenermaßen liegt das allerdings schon
eine ganze Weile zurück. Letztendlich haben wir uns für etwas stärker
gebrauchte Räder entschieden, die zusammen trotz zäher Verhandlungen immerhin
600,- Euro gekostet haben. Dabei hatten Beide nicht einmal Schutzbleche oder
Licht aber vorne eine Federung.
Am folgenden Samstag sind wir sofort zur
ersten Trainingstour gestartet. Von einem Geschäftskollegen hatte ich gehört,
daß man von Garmisch rund um die Zugspitze mit dem Rad fahren könnte, ohne
auch nur einmal abzusteigen. Im Prinzip war dies auch nicht ganz falsch, da ich
insgesamt sechsmal mit den Händen zuerst am Boden war. Nach insgesamt fast 13
Stunden Fahrzeit waren wir lange nach Einbruch der Dunkelheit völlig erschöpft
wieder in Garmisch angelangt und das, obwohl wir die Gondel zur Ehrwalder Alm
genommen hatten und ab Leutasch mit dem Taxi weitergefahren sind.
Die ganze folgende Woche konnten wir
beide wegen anhaltender Muskelschmerzen nicht weiter trainieren. Aber wir hatten
ja immer noch mehr als zwei Wochen Zeit, um Kondition und Technik aufzubauen.
Wir hatten allerdings beschlossen, vor der Alpenüberquerung nur noch ein paar
kleinere Touren zu machen, um uns nicht unnötig zu verausgaben. Die folgenden
zwei Wochen bin ich fast jeden Tag die knapp 6 Kilometer bis zu meinem Büro mit
dem Rad gefahren und abends auch wieder zurück. Elisabeth hingegen hatte
stärkere Probleme mit der Motivation und wollte sich nur wenige Male dazu
überreden lassen, vor unserem Haus auch ein wenig Fahrtechnik zu üben.
Zumindest bei mir klappte das Überqueren von Randsteinen aller Größen schon
nach zwei oder drei Tagen nahezu perfekt.
Die sonstige Materialbeschaffung verlief
anfangs auch nicht ganz problemlos, da ich nur aus dem Internet ein paar
Informationen hatte. Nach ein paar Tagen habe ich allerdings beim Buchhändler
einen wunderbaren Bildband entdeckt, in dem jede Mengen Touren über die Alpen
beschrieben wurden (Traumtouren Transalp). Im Buch war außerdem eine CD
enthalten, mit der man sich selbst eine Route zusammenstellen konnte.
Zusätzlich wurden jede Menge nützliche Tipps für die Ausrüstung gegeben.
Nach und nach haben wir uns alles Nötige beschafft und außerdem bei
unserem Fahrradhändler noch einen Abendkurs zum Thema Fahrradreparatur belegt
(2 Stunden für 8 Euro je Person zusammen mit vier älteren Damen).
Tja, und jetzt stehen wir mit zittrigen
Beinen am Anfang des Zillertals und unser erster Alpencross mit dem MTB erwartet uns.
Wolfi und
Elisabeth 6. September 2003